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Osterwasserholen
nahe der Goldbachquelle
Fotos: Peter Unger/Robert Peetz/Brigitte Meier |
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5.15 Uhr morgens fällt es den meisten Menschen noch schwer, ihren Schlaf zu verscheuchen und klare Gedanken für den anbrechenden Tag zu fassen. 11 wanderlustige sind jedoch munter und treffen sich zu so früher Stunde in der Dämmerung auf dem Dorfplatz am "Bushäusel", wie man sagt. Dieser im Vogtland weithin bekannte Brauch ist heidnischen Ursprungs und verspricht noch heute viele gute Dinge, die allerdings nur in Erfüllung gehen, wenn bestimmte Festlegungen eingehalten werden. Dazu gehören insbesondere: ab Treffpunkt nicht lachen, feixen oder ähnlich Aufmunterndes tun, geschweige denn Sprechen. Besonders den Mädels wird nachgesagt, dass ihnen dies schwer falle; ich habe heute früh aber auch Männer gesehen, die sehr an sich halten mussten, um diesen hohen Ansprüchen etwa anderthalb Stunden lang zu genügen! Jedenfalls ziehen die elf Aufrechten kurz nach fünf Uhr los, "bewaffnet" mit Taschenlampen, um nach etwa einer Stunde in den Quellbereich des Goldbachs zu gelangen und dort das viel gelobte Osterwasser zu schöpfen. Sollte es seine Schönheitsbringende, belebende und heilende Wirkung voll entfalten, musste es allerdings dem Quellfluss entgegen in einen leeren Krug geschöpft werden. Mit Brigitte, eine der guten Feen im Heimatverein, habe ich für die Stärkung der Unentwegten nach ihrem frühen Marsch zu sorgen. Während der Fahrt nach Reuth sehen wir schon in Richtung Himmel, es scheint doch einen Sonnenaufgang zu geben. Man kann doch noch auf reizvolle Motive hoffen und auf das wohl zu Recht, denn wir haben den Jeep mit allen möglichen Leckereien beladen. Dann treffen sie ein, unsere Osterwasserholer. Einen Sonnenaufgang an der Reuther Linde. Die Blicke aller, die fasziniert sind und immer noch schweigen, richten sich über das weit gestreckte vogtländische Kuppenland hin zum östlichen Horizont. Nach einigen Minuten stiller Einkehr steigt hier der Sonne empor. Fast atemlos verfolgen alle dieses Schauspiel, in welchem der nach und nach aufsteigende Sonnenball schließlich siegreich aus dem Ringen mit der Nacht hervorgegangen ist. Die Spannung der minutenlangen Stille weicht. Es ist jetzt 6. 45 Uhr und munteres Plaudern und Lachen beherrscht nunmehr das Grüppchen, denn das Schweigegelübde darf endlich gebrochen werden. Und alle sind höchst erfreut ob der feinen Leckereien, diesem kleinen "Ostergeheimnis", dem sie jetzt, völlig überrascht gewissermaßen, am Fuße der Reuther Linde gegenüberstehen. Der Appetit ist groß und im Glanz der noch frischen Morgensonne lassen es sich alle gut schmecken. Peter
Unger
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